Im Gespräch mit Jugendlichen für mehr demokratische Mitwirkung und Zivilcourage werben

Abgeordnete besuchen zur Erinnerung an den 9. November 1938 landesweit die Schulen

Gleich zwei Abgeordnete des Landtages Rheinland-Pfalz nahmen die Einladung des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg an und kamen mit einer großen Anzahl von Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 12 in einen regen Austausch. Der landesweite Besuchstag von Mitgliedern des Landtags in den Schulen ist auf Bundesebene einzigartig und hat zum Ziel, das Demokratieverständnis junger Menschen zu fördern und den persönlichen Kontakt der Landtagsabgeordneten mit interessierten Jugendlichen zu vertiefen.

In mehreren Gesprächsrunden beteiligten sich über 300 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums an den Dialogen mit Hendrik Hering, Vorsitzender der Landtagsfraktion der SPD in Rheinland-Pfalz, und Ralf Seekatz (CDU), Bürgermeister der Stadt Westerburg und stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses im Mainzer Landtag. Die Schulleiterin, Frau OStD Ute Klapthor, bedankte sich in ihrer Begrüßung bei den Gästen für deren Kommen und zeigte sich sehr erfreut über den guten Kontakt zu den Politikern vor Ort.

Mit detaillierten Hintergrundinformationen zur fremdenfeindlich motivierten Ermordung des Kurden Nihat Yusufoğlu am 28.12.1990 in Hachenburg rief Hendrik Hering, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Hachenburg, tiefe Betroffenheit hervor. Aufgrund persönlicher Gespräche mit Zeitzeugen in Hachenburg konnte Hering die Ereignisse zur Reichspogromnacht in Hachenburg drastisch vor Augen stellen. Obschon damals sogar ganze Schulklassen vom Unterricht befreit worden waren, um gemeinsam mit anderen Bürgern der Stadt der Verhöhnung und gewaltsamen Vertreibung der jüdischen Mitbürger beizuwohnen, hatten keinerlei öffentliche Proteste dagegen stattgefunden

„Zivilcourage ist Verpflichtung“

Ein friedliches Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft erfordert und ermöglicht nach Herings Überzeugung Zivilcourage, die bei jedem Einzelnen beginnt. Gemeinsam mit den Schülern reflektierte er darüber, was Menschen davon abhalten kann, Zivilcourage zu zeigen und wie Zivilcourage bei Jugendlichen konkret gefördert werden kann. Dabei zeigten sich Schüler auch an den juristischen Aspekten interessiert, wenn man zum Beispiel im Rahmen von Notwehr und Nothilfe eingreift.

„Stärkung des Selbstbewusstseins junger Menschen ist die wichtigste Maßnahme für mehr Zivilcourage"

Nur durch Lob und ermutigenden Zuspruch gestärkte Persönlichkeiten seien - so zeigt Herings persönliche Erfahrung mit Jugendlichen - in der Lage, Zivilcourage zu zeigen. Damit verwies er auf die hohe Verantwortung von Erziehern und Ausbildern, die Jugendliche in ihrer Entwicklung begleiten.

Der intensive Austausch lag Ralf Seekatz am Herzen, als er in der gut gefüllten Aula des Gymnasiums mit den Schülerinnen und Schülern zunächst über die vielfältigen historischen Aspekte des „9. November“ ins Gespräch kam. Aufgrund der Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918 sowie der Reichspogromnacht 1938 bis hin zum Fall der Mauer 1989 stellt der 9. November ein besonders geschichtsträchtiges Datum der deutschen Vergangenheit dar.

„Politik ist überall“

Reges Interesse zeigten die Schüler, als der Stadtbürgermeister und Landtagsabgeordnete mit dem Entstehen der Realschule plus und ihren Auswirkungen auf das Gymnasium auch aktuelle bildungspolitische Aspekte in den Mittelpunkt rückte. Dass politische Entscheidungen das Leben der Jugendlichen in vielfältiger Weise berühren, vermittelte Seekatz anschaulich und motivierte damit die Schülerinnen und Schüler mit teils sehr persönlichen Erläuterungen zu einem politischen Engagement vor Ort.

„Politische Mitwirkung ist wichtig“

Bemerkenswert fanden die Zuhörer, dass er zu politischem Engagement aufrief, unabhängig davon, in welcher demokratischen Partei dies geschieht. Die anschließende lebhafte Diskussion um das „Wahlalter 16“ leitete über zum Wunsch nach vermehrter Mitbestimmung von Schülern in ihren Schulen.

Das Engagement des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg im Netzwerk der „Schulen für Demokratielernen und Partizipation“ entspricht diesem Anliegen in besonderer Weise und wurde bereits durch die Einbindung von Klassenrat und Schülerparlament in das Schulleben konkretisiert.

Aufgrund der positiven Resonanz aus der Schülerschaft plant der Fachbereich Sozialkunde bereits die Fortsetzung dieser Gesprächsveranstaltung zum 09. November im kommenden Jahr und dankt den Organisatoren Frank Baran und Thorsten Mehlfeldt sowie Uwe Dietze für die Unterstützung bei der Technik.

Die Fotogalerie zur Veranstaltung können Sie hier einsehen (bitte klicken).