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Transparenz und Vertrauen - der Weg aus der Finanzkrise

Hilmar Kopper (Deutsche Bank) bei den Westerburger Gesprächen im KAG

Wer hätte gedacht, dass trotz eines Fußballklassikers (Deutschland - England) am gleichen Abend über 400 Zuhörer zum Westerburger Gespräch mit Hilmar Kopper, dem langjährigen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, in die Aula des Konrad-Adenauer-Gymnasiums kommen würden? Offensichtlich fühlten sie sich sowohl vom Ruf des streitbaren Referenten als auch vom Thema der Finanz- und Bankenkrise wesentlich mehr angezogen als von Klose und Co., wie es Herr Kopper gleich zu Beginn seines Vortrags umschrieb.

Nach bester Tradition der Veranstaltungsreihe konnte Natalie Hommel am Flügel mit einer erst-klassigen Interpretation der "Regentropfen" von Frederic Chopin als Einstimmung glänzen. OStR Heinz Fischer sprach bei der Vorstellung seines Gastes die Gedanken aus, die sich auch dadurch zum Thema des Abends einstellen mussten: trübe Aussichten allerorten, vor allem in der Finanz-welt.
Um es vorweg zu nehmen: Auch der Bankfachmann mit rund 50 Jahren Berufserfahrung gestand ein, diese Perspektiven nicht aufhellen zu können, da noch viele "vergiftete" Finanzprodukte und massive Kreditrisiken in den verschiedensten Bilanzabgründen liegen könnten. Die entscheiden-den Elemente, die zur Beseitigung der aktuellen Krisen beitragen könnten, wurden von Herrn Kopper deutlich formuliert: Es gehe um mehr Transparenz und den (Wieder-) Aufbau von Ver-trauen bei allen Akteuren im Finanzwesen. Das derzeitig herrschende Klima des Misstrauens der Geldinstitute vor allem untereinander blockiere aktuell die Geldströme. Mit der Metapher von der lebensnotwendigen Körperflüssigkeit stellte sich so auch der Zusammenhang zur Realwirtschaft ein, die auf die klassische Dienstleistung der Banken, die Kreditvergabe, angewiesen sei.

Ausgehend von den Vorgängen in den USA mit ihrer eher uneuropäisch anmutenden Immobilien- und Verbriefungskultur wurden Fehler und Schwächen sowohl bestimmter Banken als auch der politisch Verantwortlichen erkennbar.

So bezeichnete Hilmar Kopper es ausdrücklich als Kardinalfehler der amtierenden US-Regierung, die Investmentbank Lehman Bros. ihrem Pleite-schicksal überlassen zu haben. Damit sei alles ins Rutschen gekommen, weil schon im Anfangs-stadium der Krise Vertrauen - s.o. - massiv zerstört wurde. Die folgende Lawine habe speziell für deutsche Anleger unangenehme Folgen gezeitigt, weil in vielen Finanzprodukten die zitierten vergifteten Papiere "verpackt" waren.

An dieser Stelle spätestens standen die "Banker als Sündenböcke" aus der Ankündigung der Ver-anstaltung im Mittelpunkt. Dabei könne nicht allein den Verkäufern bzw. Anlageberatern der Vorwurf der intransparenten Beratung über die "inneren Werte" ihrer Zertifikate u.ä. gemacht werden. Kriminelle Energie sei ohnehin nicht im Spiel gewesen. Allerdings habe dem auf Anle-gerseite ein unrealistischer Anspruch auf Rendite gegenübergestanden; den Begriff "Gier" wollte der Referent in diesem Zusammenhang als durchaus angemessen verstanden wissen. Als ausge-wiesener Verehrer der Idee freier Marktwirtschaft machte er seine Position zu den Regulierungs-ansätzen deutlich, die in den verschiedensten Institutionen und Regierungen zurzeit weltweit verhandelt und beschlossen werden. Am Beispiel der umfangreichen deutschen Bestimmungen zum Bankwesen forderte er nicht mehr, sondern bessere Regeln. Dazu gehörten natürlich auch im Zeichen der Globalisierung weltweit gültige und durchsetzbare Regularien, die vor allem - s.o. - Transparenz gewährleisten müssten.

Angesichts ungewisser Zukunftsaussichten gelang es Herrn Kopper, für klare Worte und um-fassende Kompetenz ohnehin bekannt, an diesem Abend für Durchblick über die Ursachen der Finanzkrise zu sorgen. Dass er dabei zumindest für das deutsche Bankensystem mit der Vertrau-ensbildung beginnen konnte, ließ sich trotz kritischer wie besorgter Fragestellungen aus dem Publikum ablesen. Um auf die Konkurrenz zum Fußballländerspiel am gleichen Abend noch einmal zurückzukommen: Beim Westerburger Gespräch mit Hilmar Kopper gab es zwar auch keinen "Sieg", aber unbestreitbaren und anregend vermittelten Erkenntnisgewinn. Das galt gewiss auch für die große Gruppe von Schülern des Gymnasiums Linz, die mit ihrem Sozialkundelehrer Jens Ruhnau (bis vor zwei Jahren selbst am Konrad-Adenauer-Gymnasium tätig) mit für den unerwartet großen Publikumszuspruch sorgten.

Text: W. Eggert
Fotos: Sylvio Grahn)

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