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Kofferfisch wird Mercedes

Bionik bringt Natur und Technik zusammen

Zu Beginn des Westerburger Gesprächs am 13.11.2008 in der Aula des Konrad-Adenauer-Gymnasiums standen drei kurze Fragen auf der Leinwand, die während der anspruchvollen musikalischen Einleitung durch Johannes Schröder am Klavier die wesentlichen Aspekte der folgenden eineinhalb Stunden durchaus umfassend beantwortet wurden.

Mit der Begriffsklärung (Was ist Bionik?) konnte sich Professor Werner Nachtigall, weltweit anerkannter Pionier in dieser naturwissenschaftlichen Sonderdisziplin, vor mehr als 320 ZuhörerInnen kurz fassen; die plakativ wirkende Zusammenziehung aus "Biologie" und "Technik" wurde schon in seinen ersten Ausführungen sehr schnell nachvollziehbar.
Welche Aufgaben und Zielsetzungen damit verbunden sein sollten, ergab sich nicht nur in diesem einleitenden Abschnitt seiner anspruchsvollen Präsentation, sondern wurde immer wieder anhand praktischer Beispiele verdeutlicht. Bionik versteht sich als vermittelnde Instanz zwischen der eher grundlagenforschenden Biologie und den besonders anwendungs- und verwertungsinteressierten Ingenieurswissenschaften

Professor Nachtigall differenzierte die Möglichkeiten und Anforderungen in den drei Sektoren, in denen das praktiziert wird. Als bekanntes Beispiele zur Struktur- bzw. Konstruktionsbionik erwähnte er die Entwicklung eines Experimentalfahrzeugs von Daimler/Mercedes ("bionic car"), dessen ungewöhnliche aerodynamische Formgestaltung vom eher plump wirkenden Kofferfisch abgeschaut werden konnte.
Am zweiten Beispiel dieses Forschungsfeldes, der Entwicklung leicht gebauter, aber hoch belastbarer Stützelemente zeigte er den entscheidenden Ansatz der Bionik, der Abstrahierung von (biologischen) Prinzipien zu technikgerechter Umsetzung und Anwendung.

Für den zweiten Sektor, die Verfahrensbionik, konnte Professor Nachtigall die letzte Frage seines Präsentationseinstiegs (Was bringt das?) gerade angesichts steigender Energiepreise aufgreifen. Die Idee einer "grünen Photozelle", die als Folie an Hauswänden und auf Dächern aufgetragen werden könnte, habe man sich bei der natürlichen Photosynthese abgeschaut. Hier verdeutlichte der Wissenschaftler die Grenzen bei der Abstrahierung von natürlichen Prozessen zur technischen Verwertbarkeit.
Grundsätzlich sei die Gewinnung von elektrischer Energie und/oder Wasserstoff mit einer derartigen Folie lösbar, in der technischen Umsetzung zu einem haltbaren Produkt aber noch nicht erreicht.

An diesem wie seinen weiteren Beispielen konnte sich der Referent durchaus kritische Anmerkungen zum Verhältnis der Biologenzunft und den Adressaten für deren "Angebote" ( z.B. Industriebetriebe) nicht verkneifen. Häufig würden die Vorschläge nicht angenommen oder zu wenig Zeit und Mühe seitens der Interessenten investiert, um die wirtschaftliche Anwendung zu erreichen. Der dritte Sektor, die Entwicklungsbionik, wurde am Beispiel einer "Zweiphasendüse" verdeutlicht; auf den ersten Blick erschien dies sehr weit von den Vorstellungen einer Evolution nach biologischer Definition entfernt.

In Analogie zu Evolutionsvorgängen in der Natur verwies Professor Nachtigall aber auf die unzähligen, teilweise in ihrer "Nützlichkeit" kaum erkennbaren Veränderungen, die "zufällig" entstehen. So konnte beim Beispiel der zitierten Düse durch kleine "Mutationen" in vielfältigen, zufällig variierten Versuchsreihen eine Verbesserung ("Anpassung" an die Aufgabe) erreicht werden, die mit den gängigen Theorien nicht vorherzusagen war.

Die beeindruckende Kompetenz und Souveränität Professor Nachtigalls zeigte sich auch in der Plenumsfragerunde nach seinem Vortrag und kleinerer Gesprächsrunden nach dem "offiziellen" Ende. OStR Heinz Fischer, der mit diesem Abend "seinen" Westerburger Gesprächen" ein weiteres Highlight hinzufügen konnte, blieb zum Schluss nur noch der Dank an Referent und Publikum für einen durchaus anspruchsvollen wie anregenden Abend.

Text: W. Eggert Fotos: Sylvio Grahn

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