„Weltreise an einem Tag“ mitten im Ruhrgebiet

Am Dienstag, den 25.04.2017, begaben sich die Schüler der MSS 11 des Konrad-Adenauer-Gymnasiums zusammen mit den Lehrern der Biologie-Kurse, Frau Kiehne, Herrn Bastian, Herrn Müller und Frau Malorny auf eine Exkursion in die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen, den ehemaligen Ruhr-Zoo.

Nach einer etwa zweieinhalbstündigen Fahrt in das Herz Nordrhein-Westfalens wurden wir zunächst gegen 10:30 Uhr vom Zoopersonal zu einer Führung im Kursverband durch jeweils eine der drei Erlebniswelten Alaska, Afrika oder Asien empfangen. Zu Beginn wurden wir über die Geschichte des 1949 gegründeten Zoos unterrichtet, der in den Anfangsjahren der Tierhandelsfirma Ruhe als Zwischenunterkunft für Wildtiere diente, die später in anderen Zoos eine Heimat finden sollten. Entsprechend karg waren die Gehege eingerichtet. Als zum Ende des Jahrhunderts hin Gesetze und Bestimmungen wie das Washingtoner Artenschutzabkommen den Import und Handel exotischer Tierarten erschwerten und veraltete Anlagen die Existenz des Zoos bedrohten, standen nur zwei Möglichkeiten zur Wahl: Schließung oder kompletter Umbau. Die Übernahme durch die kommunalen Stadtwerke Gelsenkirchen ermöglichte schließlich ein Investitionspaket von rund 91 Millionen Euro, mit denen in den 2000er-Jahren nach dem Geozoo-Konzept der westfälische Bauernhof „Grimberger Hof“ sowie eben „Alaska“, „Afrika“ und zuletzt „Asien“ errichtet werden konnten. 2005 erfolgte offiziell die Umbenennung in „ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen“, was darauf hindeuten soll, dass die Besucher den Zootieren durch Glasscheiben und ähnliches sehr nahe kommen.

Von Westfalen aus machte sich nun der Biologie-Leistungskurs von Herrn Bastian auf in die Erlebniswelt Asien. Die Führung stand unter dem Schwerpunkt der Angepasstheit verschiedener Tiere an ihren natürlichen Lebensraum. So erfuhren wir, dass der Binturong, eine Schleichkatze aus Südostasien, deswegen nachtaktiv lebt, um nicht tagsüber direkt mit verschiedenen Affenarten in Konkurrenz um Früchte zu treten und dass ihm sein langer Greifschwanz zum Halt im Geäst dient. Ein erstes tierisches „Highlight“ waren mit Sicherheit die beiden männlichen Amurtiger, welche die größte Unterart dieser majestätischen Raubkatzen darstellen. In Bezug auf deren Lebensraum im Grenzgebiet zwischen Russland, China und Nordkorea erzählte uns der Zoolotse, dass in einem Ökosystem niemals zwei Arten mit exakt den gleichen Ansprüchen vorkämen, weshalb der Amurtiger größere Beutetiere, z.B. Wildschweine und Hirsche, und der parallel vorkommende Amurleopard eher kleinere Beutetiere, wie beispielsweise Rehe oder Moschustiere, präferieren würde. Weitere Stationen der Führung waren die Roten Pandas, die Schweinsaffen und die zweihöckrigen Kamele, genannt Trampeltiere. Diese können innerhalb von nur zehn Minuten bis zu 150 l Wasser aufnehmen, jedoch dienen die Höcker nicht wie weithin vermutet als Wasserspeicher, sondern beinhalten vielmehr Fettreserven für Dürreperioden. Beides stellt eine Anpassung an den trockenen Lebensraum in Zentralasien, u.a. in der Wüste Gobi, dar. Gegen Ende der Führung betraten wir dann das Herzstück der Erlebniswelt Asien, das ELE Tropenparadies, eine 4500 m² große Tropenhalle, wo wir auch etwas über die dortige Vegetation lernen konnten. Den Abschluss des Rundgangs durch „Asien“ bildete dann das Innengehege der Sumatra-Orang-Utans in der Tropenhalle, welches sie mit Hulmans oder Hanuman-Languren, bei denen es einige Tage alten Nachwuchs zu bestaunen gab, und mit Zwergottern teilen. Anders als im Zoo sind die Menschenaffen in freier Wildbahn eigentlich Einzelgänger, bei denen sich das Revier eines Männchens mit dem mehrerer Weibchen überlappt, was zur Erhaltung der Art notwendig ist, weil die Aufzucht eines Jungtieres ähnlich wie beim Menschen sehr lange dauert und daher nur vergleichsweise selten Nachwuchs gezeugt werden kann. Zu guter Letzt hatte unser Zoolotse uns noch zwei Madagaskar-Fauchschaben, umgangssprachlich „Kakerlaken“ genannt, mitgebracht und klärte uns auf, dass diese Tiere trotz ihres Rufes eigentlich sehr reinlich seien. Einige Freiwillige unter uns trauten sich daraufhin, eines der Tiere auf die Hand zu nehmen. Auch die abgestreifte Haut einer Kornnatter durfte angefasst werden. An diesem verregneten und besucherarmen Tag wurde das Geschehen von den Orang-Utans besonders akribisch durch die Glasscheibe beobachtet und vor allem die heranwachsenden Tiere Awang und Naila konnten leicht Sympathien gewinnen, als sie sich immer wieder neugierig an unserer Gruppe vorbei hangelten.

Nach den Führungen hatten wir dann noch einige Stunden Zeit, den gesamten Zoo in Kleingruppen zu erkunden, wobei auch eine von Herrn Bastian und Frau Malorny ausgearbeitete Zoorallye zu erledigen war. Dabei kamen überraschend viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Oberstufenleiter des KAG, Herrn Rappen, und der in der Erlebniswelt Afrika lebenden Rappenantilope zum Vorschein. Um 17:00 Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg in den Westerwald. Alles in allem war es wohl für die Biologie-Kurse ein äußerst interessanter Einstieg in das Themenfeld der Ökologie, welches im 12. Schuljahr vorgesehen ist.

Text: Pascal Jauss (11 BiL2)
Fotos: Ralf Müller, Dominic Bastian