Schwalbenprojekt des Konrad-Adenauer-Gymnasium-Westerburg erneut erfolgreich - acht neue Rauchschwalbennester gespendet

Probebegehung in Wengenroth im Mai 2017

Westerburg. Mit dem erfolgreichen Abschluss des etwa einjährigen Schwalbenerfassungsprojekts starteten zwei Biologie-Leistungskurse der Jahrgangstufe zwölf in das neue Jahr und brachten in mehreren Gemeinden neue Nester für die Tiere an. Das Langzeitprojekt der Oberstufenkurse begann im Frühling letzten Jahres unter Leitung von Naturschutzreferent Philipp Schiefenhövel von der Will und Liselott Masgeik Stiftung Molsberg mit der theoretischen Einführung in den Themenbereich und einer wenige Tage später folgenden Probebegehung in Wengenroth. Betreut wurde das Projekt neben Herrn Schiefenhövel von den Kursleitern und Biologielehrern, Oberstudienrätin Bärbel Kiehne und Studienrat Dominic Bastian.

Die Schüler teilten sich in Kleingruppen auf und begannen im Juni 2017 eigenständig mit der Begehung ihrer Gemeinden. Die Rauch- und Mehlschwalbenbestände wurden in Höhn, Seck, Kölbingen, Salz, Guckheim, Hellenhahn-Schellenberg, Elsoff, Berzahn, Willmenrod, Pottum, Hof, Kaden und Langenhahn erfasst. Dokumentiert wurden nicht nur die Anzahl und Art der Tiere, auch Informationen zur Zahl der besetzten und unbesetzten Nester, ob es sich bei diesen um Natur- oder Kunstnester handelt, und die Farbe der Hauswand und Nesthöhe wurden sorgfältig notiert.

Im Herbst 2017 fand die Analyse der gesammelten Daten statt. Die meisten Rauchschwalbennester befanden sich in Höhn (53), von denen jedoch knapp zehn unbesetzt waren. Darauf folgten Pottum und Salz mit 30 Nestern, von denen jeweils jedoch nur knapp 20 in Pottum und 10 in Salz besetzt waren. Grundsätzlich zeigte sich, dass in den meisten Gemeinden mit Rauchschwalbenvorkommen Naturnester vorhanden waren und sich das Vorkommen auf nur wenige bäuerliche Betriebe beschränkt. In den Gemeinden Kaden, Freilingen, Guckheim und Steinebach befanden sich die meisten Mehlschwalbennester, von denen die meisten jedoch unbesetzt waren. Die größte Anzahl an tatsächlich besetzten Nestern war in Willmenrod und Pottum zu finden, wo 24 und 20 besetzte Nester dokumentiert wurden. Bei den Mehlschwalben zeigte sich auch, dass durch schon länger existierende Schutzmaßnahmen besiedelte Kunstnester eine größere Rolle als bei Rauchschwalben spielen. Besonders auffällig war die sehr große Anzahl gefundener Naturnester in Kaden, von denen jedoch nur ein geringer prozentualer Anteil besetzt war. Diese Beobachtung wirft die Frage auf, welche Einflüsse für den 2017 verzeichneten Rückgang dieses vermutlich ehemals recht hohen Bestandes verantwortlich sind. Durch die Analyse der Schüler zeigte sich auch, dass Mehlschwalben Häuser mit Dachbalken und rauem Putz, sowie alte Häuser in Flussnähe bevorzugen.

Im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2012, in welchem das Projekt erstmals durchgeführt wurde, ist in den Gemeinden Höhn und Guckheim, die in beiden Jahren dokumentiert wurden, grundsätzlich ein Rückgang an Schwalbenpaaren zu verzeichnen. In Höhn wurde als einzige der Gemeinden eine Erhöhung der Rauchschwalbenpopulation erfasst, was auf den Ausbau von Ställen und eine größere Akzeptanz von Seiten der Landwirte zurückzuführen ist. Der Mehlschwalbenbestand in Höhn betrug 2017 nur noch ein Drittel des Bestandes, der 2012 dokumentiert wurde. Auch in Guckheim ist nur noch 56% des vorherigen Bestandes vorhanden und das, obwohl das Jahr 2017 witterungsbedingt ein besseres Schwalbenjahr als 2012 war, was den Rückgang der Schwalbenpopulation zusätzlich verschärft.

Das Ergebnis des Projekts passt zum vielerorts dokumentierten Rückgang von Schwalbenbeständen beider Arten. Entsprechend halten die Schülerinnen und Schüler weitreichende Schutz- und Fördermaßnahmen für Mehl- und Rauchschwalben durch den Menschen für dringend erforderlich. Als solche ist beispielsweise eine naturnahe Gartengestaltung zu nennen, die den Vögeln Nahrung und Baustoffe zum Nestbau in Form verschiedenster Insekten, feuchtem Lehm und Gräsern bereitstellt. Auch Toleranz gegenüber den Tieren ist gefragt, die Anbringung von Kunstnestern und entsprechenden Kotbrettern zum Schutz der Hauswand ermöglicht ein friedliches Zusammenleben mit den Schwalben. Die Schüler brachten zum Ende des Projektes zu den bereits 2013 aufgehängten Kunstnestern acht neue Rauchschwalbennester an, die als Nistplätze genutzt werden können.

Die Präsentation des gesamten Projektes vor der Jahreshauptversammlung der NABU-Ortsgruppe Bad Marienberg fand am 15. März um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Nisterau statt, und die Schüler ernteten dort großes Lob für ihr Engagement.