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Historische Exkursion nach Verdun

 

In der Woche nach Pfingsten machten sich Teile die Klassenstufe 12 zusammen mit interessierten Schülerinnen und Schülern der MSS 11 und Ehemaligen aus dem diesjährigen Abiturjahrgang nach zwei Jahren Coronapause auf den Weg Richtung Westen, um historische Orte des Ersten Weltkrieges zu besichtigen. Ziel der zweitägigen Exkursion waren die Schlachtfelder von Verdun: Hier tobte von Februar bis Dezember 1916 eine der verheerendsten und verlustreichsten Gefechte des Krieges. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von Herrn Kraemer, Herrn Seelbach und Herrn Wittfeld. 

In Frankreich angekommen besuchten wir zuerst das bekannteste Bauwerk von Verdun, das Beinhaus von Douaumont: Im „Ossuaire de Douaumont“ wurden über 130 000 nicht identifizierte französische und deutsche Soldaten bestattet. Zusammen mit den Friedhöfen rund um das Bauwerk mahnt es, den Frieden zu erhalten und steht spätestens seit der Versöhnungsfeier im Jahr 1984, als sich der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl über den Gräbern von Verdun die Hände reichten, für die Versöhnung, Verständigung und Freundschaft zwischen Franzosen und Deutschen. An der Stelle des ehemaligen Bahnhofs des Dorfes Fleury-devant-Douaumont – dieses „Village détruit“ wurde im Jahr 1916 komplett zerstört und fungiert heute gleichzeitig als Denkmal an die Leiden der Zivilbevölkerung im Krieg als auch als Symbol für die deutsch-französische Aussöhnung – steht seit den sechziger Jahren das Mémorial de Verdun: Der Besuch des erst vor wenigen Jahren renovierten Museums nutzten wir, um uns einen durch viele multimedial aufbereitete Exponate unterstützten Überblick über die Vorgeschichte, den Verlauf und das Nachwirken der Schlacht von Verdun zu verschaffen. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein abendlicher Spaziergang durch die Altstadt von Verdun angefangen vom Siegesdenkmal über die mittelalterliche Kathedrale zur Zitadelle. Am zweiten Tag ging es zum Fort Douaumont, dem stärksten und größten Bauwerk des Festungsgürtels rund um Verdun: Die Führung durch das Fort gab uns einen tieferen Einblick in den Alltag der Soldaten, welcher vor allem davon geprägt war, ohne Strom und somit auch ohne elektrisches Licht auszukommen. Auch die Hygieneeinrichtungen waren mit unseren modernen Standards nicht zu vergleichen. Neben dem Körpereinsatz wurde auch die Psyche jedes Soldaten stark beansprucht, da der Lärm der ständig andauernden Schlacht durch das gesamte Fort hallte und die Soldaten permanent in Lebensgefahr schwebten. Die einstigen Unterschiede der deutschen und französischen Erinnerungskultur wurde beim abschließenden Besuch des deutschen Soldatenfriedhofes Azannes II für uns alle konkret und fassbar: An die Stelle eines getrennten und noch durch die Feindbilder des Ersten Weltkrieges geprägten Erinnerns und Gedenkens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tritt heute eine gemeinsame Erinnerungskultur, die auch in der Rede des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, die er anlässlich des Volkstrauertages im Jahr 2018 im deutschen Bundestag gehalten hat, zum Ausdruck kommt: „…können Sie jedes Mal, wenn Sie die Worte aus Frankreich vielleicht nicht ganz genau verstehen, daran denken, dass Frankreich Sie liebt. Es lebe Frankreich, es lebe die Bundesrepublik Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft und es lebe Europa!“

Text: Peter Seelbach

Bilder: Jan Kraemer