Nachhilfe zwischen Algebra und Karneval

Tutoren am Konrad-Adenauer-Gymnasium unterstützen Flüchtlingskinder individuell im schulischen Alltag

Keinen Schulunterricht im klassischen Sinn erlebt, wer während der Unterrichtszeit einen Blick in Raum 010 am Konrad-Adenauer-Gymnasium wirft. Konzentrierte Spannung liegt in der Luft, wenn ein knappes Dutzend Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam mit ihren Tutoren über aufgeschlagenen Schulbüchern büffeln. Meist wird leise und arbeitsam getuschelt, zwischendurch aber auch mal laut gelacht. Seit vielen Monaten schon werden hier Flüchtlingshilfe und Integration praktisch umgesetzt. Einige der Flüchtlinge erlebten nach Jahren des Krieges mitunter eine dramatische Flucht. Dankbar nehmen sie nun die Hilfe der Tutoren zur Meisterung des Schulalltags in Anspruch. "Immer, wenn ich mit ihnen zusammen bin, geben sie mir Hoffnung und ich kann lachen", betont Lelaf Muna, die mit ihrer Familie vor den Bombardierungen in Syrien fliehen musste.

Die Idee für solche schulische Unterstützung für Flüchtlingskinder hatte Sabine Dietze-von Keitz, die Leiterin der Orientierungsstufe, noch bevor die offiziellen schulischen Unterstützungskurse anlaufen konnten. Rasch fanden sich durch ihr Engagement mehr als zwanzig interessierte Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die bereit waren, zu helfen. Oft geht das Gespräch über die Unterrichtsgegenstände hinaus. Auch Probleme wie "Wo bekomme ich einen guten Praktikumsplatz" oder "Schminken in der Schule, wie gehe ich damit um?" werden besprochen. Freundschaften entstanden durch den intensiven Austausch. "Am besten gefällt mir, wenn mein Schüler von seinem Alltag berichtet und ich so mehr über ihn erfahren kann", berichtet Tutor Tizian Holzbach. Das rasche Einleben in die neue Sprache und Kultur wird durch die vielfältigen Gespräche enorm gefördert, bemerkt Alaa Haider: "Ich konnte kein einziges Wort Deutsch und sie haben mir so toll geholfen; mit ihrer Hilfe habe ich schnell große Fortschritte gemacht." Mit Alaa freut sich Ricarda Schneider, die als Fachkraft für "Deutsch als Zweitsprache" seit Beginn des Schuljahres den Deutschkurs mit den Flüchtlingskindern am Gymnasium in Westerburg durchführt.

In einzelnen Fächern, in denen die Tutoren stark sind, unterstützen sie nun während speziell geplanter Zeiten einige Flüchtlingskinder. In den Jahren des Krieges konnten in vielen syrischen Schulen Unterrichtsfächer wie Musik und Kunst nicht mehr unterrichtet werden. Begeistert nutzen die Flüchtlingskinder neben intensivem Deutschunterricht auch diese Formen künstlerischer Lernerfahrungen.

Heike Niepel, Lehrerin für Mathematik und Naturwissenschaften, hat am Konrad-Adenauer-Gymnasium tatkräftig die Organisation dieser Unterstützung für die Flüchtlingskinder übernommen. Ihr liegt die umfassende und lebensnahe Begleitung der neuen Schülerinnen und Schüler besonders am Herzen: "Jedes Kind hat seinen eigenen Stundenplan. Es wird versucht, jeden individuell nach seinen Bedürfnissen und nach seinem Kenntnisstand zu fördern." Zeitweise hat sie selber die Nachhilfe in naturwissenschaftlichen Fächern übernommen. Besonders beeindruckt zeigten sich die Flüchtlingskinder vom gemeinsamen Plätzchenbacken zur Weihnachtszeit und dem Besuch eines Karnevalsumzuges in Malberg.

Schulleiterin Ute Klapthor zeigt sich erfreut vom Erfolg der schulischen Integrationskurse und bedankt sich bei allen Helferinnen und Helfern sowie bei allen betreuenden Lehrkräften für ihren Einsatz.