Schiller´scher Zickenkrieg eindrucksvoll präsentiert

Am Freitag, den 23.06.2017 führte die Theater-AG des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in der hauseigenen Aula „Maria Stuart – Battle of the queens“ auf.

Elisabeth I., Königin von England, wird von ihren Staatsräten gleich in zweifacher Hinsicht unter Druck gesetzt: Sie soll heiraten und zudem das „Problem“ Maria Stuart endlich aus der Welt schaffen. Die katholische Maria ist ihre Cousine und die Königin von Schottland. Vor neunzehn Jahren hat sie in England um Asyl gebeten, wurde aber seitdem dort gefangen gehalten, weil sie angeblich ihren letzten Ehemann ermordet haben soll. Dies ist natürlich nur ein vorgeschobenes Argument, das die Angst des englischen Königshauses verbergen soll, Maria könnte Elisabeth vom Thron stürzen. Das Todesurteil wurde von einem 42-köpfigen Richtergremium bereits verhängt – in Marias Augen unrechtmäßig –, Elisabeth scheut sich jedoch davor, es zu vollstrecken, weil sie ihren Ruf verlieren könnte. Marias Helfer am englischen Hof arrangieren ein „zufälliges“ Treffen der beiden Königinnen, die sich nun zum ersten Mal in ihrem Leben in realiter sehen. Maria hatte sich davon erhofft, Elisabeth gnädig stimmen zu können. Allerdings ist die Eskalation vorprogrammiert, da Maria weder ihren Stolz, noch ihre Wut über die ungerechte Behandlung zügeln und sich Elisabeth gegenüber demütig zeigen kann. So geht Elisabeth erzürnt von dannen. Nach wie vor schreckt sie jedoch davor das Urteil vollstrecken zu lassen. Burleigh, einer ihrer Staatsräte, übernimmt daher eigenmächtig die Entscheidung und Maria wird hingerichtet. Elisabeth verbannt ihn zur Strafe vom Hofe und Lord Leicester, der aus opportunistischen Gründen ein doppeltes Spiel gespielt hat, wählt aus freien Stücken das Exil. Der milde Graf Shrewsbury hingegen, dessen Rückhalt sie sich gerne versichern würde, wendet sich von ihr ab, da all sein Zureden für ein gerechtes Handeln zwecklos geblieben ist. So steht Elisabeth am Ende einsam da.

Das Drama in der Bearbeitung von Beate Rüter ist sehr eng an Schillers Original angelehnt und stellt dadurch inhaltlich wie auch sprachlich sowohl an das Publikum als auch an die teilweise noch jungen Schauspieler hohe Anforderungen, denen letztere in beeindruckendem Maße gerecht wurden. Die beiden Königinnen (Vivien Straub als Maria und Franziska Künkler als Elisabeth) repräsentierten ihre Rollen sehr glaubhaft. Die drei Staatsräte Elisabeths (Tobias Hastrich als Leicester, Hannah Kessler als Burleigh und Kristina Sökefeld als Shrewsbury) brachten hervorragend die Kühle des Machtgeflechts, in dem sich Elisabeth gefangen sieht, sowie die unterschiedlichen Beratungsstile und jeweiligen Eigeninteressen zum Ausdruck. Als äußerst talentiert erwies sich Christopher Guy, der den für Maria brennenden Mortimer spielte. Die jüngeren Schüler der AG hatten überwiegend kleinere und zum Teil mehrere Rollen inne, da der Stoff für Mittelstufenschüler durchaus schwere Kost und damit schwierig zu spielen ist. Dennoch sind sie ihren Anforderungen durchweg gerecht geworden. So hatte zum Beispiel Linda Nieland als Elisabeths Schreiber die undankbare Aufgabe, das Todesurteil „zu bewahren“, das letztlich Burleigh an sich reißt. Marian Kloft nahm seine Aufgabe als Bewacher der Maria sehr ernst, gleiches gilt für Marias treue Begleiterin Hanna (Mackenzie Kröll). Besonders eindrucksvoll war die „Teamarbeit“ der strammen englischen Wachen (Uta Menningen, Marie Sökefeld, Floriane Menges und Helena Groth) und einer weiteren vierköpfigen Gruppe (Sarah Klemm, Cynthia Schneider, Jessica Reddig und Lidia Rommel), die mal als Schotten, mal als Franzosen, mal als Maskierte das Publikum in ihren Bann zogen. Die grundlegend klassische Inszenierung erschien aufgrund der klassischen Textgrundlage sehr passend, aber auch die unterschiedlichen Aufbrechungen wie die Rap-Einlage Mortimers oder die maskierten Schauspieler, die Maria bedrängen, wirkten äußerst erfrischend. 

Das Publikum spendete den Schauspielern großen Applaus. Bärbel Kempf, die Leiterin der AG, bedankte sich bei den vielen „unsichtbaren“ Helfern: der Souffleuse Sarah Gläßer, den für die Kostüme zuständigen Schülerinnen Anna Sophie Waters und Hannah-Sophie Müller und vor allem den Bühnentauchern, die von technischer Seite aus zum Gelingen der Aufführung beitrugen.

Die intensive einjährige Einstudierungszeit hat sich in jeder Hinsicht gelohnt: Die Schauspieler sind individuell sichtlich an ihren jeweiligen Anforderungen, aber auch als Team zusammengewachsen. Die gute Betreuung und Anleitung durch Bärbel Kempf machte sich in der aufrichtigen Danksagung durch die Schauspielerin der Maria am Ende bemerkbar. Auch das Publikum konnte sich glücklich schätzen, sich an diesem heißen Abend ein Stück wertvoller Kultur nicht entgehen gelassen zu haben.