18 Schülerinnen und Schüler aus Westerburg zu Gast in Krakau

Am 27. Mai 2017 startete für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 des Konrad-Adenauer-Gymnasiums ein großes Abenteuer: Der Gegenbesuch in Krakau stand auf dem Stundenplan.

So kam es, dass sich alle 18 Schüler mit ihren Lehrerinnen Kathrin Kloft und Eva-Maria Leidig früh morgens im Buspark trafen und die Reise zum Frankfurter Flughafen antraten. In Krakau angekommen, wurden die Jugendlichen direkt von ihren wartenden polnischen Austauschschülern sowie deren Lehrerin, Aleksandra Pagacz-Pociask, in Empfang genommen und gegen Mittag traten sie gemeinsam den Weg zur Schule an, wo Kuchen, Salate und Würstchen als Stärkung bereitstanden. Danach wurden der polnische Nationaltanz Polonaise, der auch zu den jährlich stattfindenden Abiturfeiern getanzt wird, gelernt und einige „teambildende“ Spiele in der Sporthalle veranstaltet. Der Rest des Tages konnte frei gestaltet werden. Am nächsten Tag wurde ebenfalls kein Programm vorgeschrieben, sodass die Schüler ihre Gastfamilien kennenlernen konnten. Viele traten den Weg in die sehenswerte Altstadt an, bewunderten die alte Architektur sowie vielen Kutschen und gewannen so auch einen Einblick in die landestypische Kultur und Mentalität.

Am Montag nahmen die deutschen Schüler dann am polnischen Unterricht teil und erhielten neue Eindrücke in den Fächern Englisch, Deutsch und Italienisch. In der Pause wurde eine Begrüßung mit Gesang des Schulchores veranstaltet und die Schulleiterin hielt eine kleine Willkommensrede für ihre Gäste aus Westerburg. Nach der Mittagspause gab es eine deutschsprachige Stadtführung durch die sehenswerte Altstadt mit ihren zahlreichen Denkmälern, Kirchen und vielen weiteren Gebäuden.

Am Dienstag besuchten dann alle gemeinsam das Museum des Sozialismus im Stadtteil „Nowa Huta“, wo eine qualifizierte Führung über die Zeit des Kommunismus während des Kalten Kriegs in Polen stattfand. So erfuhren die Schüler viele wichtige Informationen für den Geschichtsunterricht und betraten erstmals einen der typischen Luftschutzbunker dieser Zeit. Gegen Mittag spazierten dann alle zu einer Kirche Namens ,,Arka Pana", welche in der Form einer Arche entworfen wurde und die erste gebaute Kirche in diesen Stadtteil zur Zeit des Kalten Kriegs war. Dort fand ein privates Orgelkonzert statt und Jugendliche wie Erwachsene lauschten gespannt den Klängen bekannter klassischer Melodien. Daraufhin ging es nach Hause und die Jugendlichen kochten typisch polnische Spezialitäten in gemischten Gruppen, wobei sie viel Spaß hatten. Diese wurden zuvor zugeteilt und viele Mütter und Omas halfen mit alten Familienrezepten aus.

Mittwochs trafen sich die Jugendlichen in der schulischen Sporthalle, um dort gemeinsam mit einem Musiklehrer die polnischen Lieder "Hej sokoty" und "Szta dzieweczka do laseczka" zu singen. Dies war für alle Beteiligten sehr unterhaltsam, da die deutschen Schüler Probleme mit der Aussprache hatten und es so viel Grund zum Lachen gab. Anschließend folgten die Präsentationen der Kochprojekte, die die Schüler am vorigen Tag absolviert hatten. Außerdem brachten alle Kostproben mit, sodass jeder die Möglichkeit hatte eine polnische Spezialität, wie zum Beispiel Suppe, Maultaschen oder Kuchen zu probieren. Allen schmeckte es so gut, dass auch reichlich Nachschlag verlangt wurde. Nach einer kurzen Pause traten alle gemeinsam den Weg mit der Straßenbahn zu einem Go-Cart Center an. Dort angekommen wurden Rennen in gemischten Sechsergruppen veranstaltet. Mit großer Geschwindigkeit rasten die Schüler über die Strecke, wobei auch einige kleine Crashs nicht ausblieben. Im Anschluss teilten sich die Schüler mit ihren polnischen Austauschpartnern eine Pizza. Danach stand wieder Zeit zur freien Verfügung, die manche nutzten, um in ein Shopping-Center zu gehen.

Am Donnerstag stand für die Schüler die Fahrt ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau an. Schon vor der Abfahrt merkte man, dass die Stimmung etwas bedrückt war, denn keiner wusste, was wirklich auf ihn zukommen würde. Doch zunächst ging es in die Jugendbegegnungsstätte in O?wi?cim, in der die deutschen und polnischen Schüler in getrennten Gruppen einen Workshop absolvierten. So wurden beispielsweise erste Eindrücke gesammelt und Bilder gemeinsam mit der Workshop-Leiterin, die sehr viele Fragen der Schüler beantworten konnte, analysiert. Im Anschluss sahen sich die Schüler noch einen zwanzigminütigen Film über die Befreiung Auschwitz‘ an, der einigen sehr nahe ging. Gemeinsam aßen alle in der Begegnungsstätte zu Mittag. Aber nach dem Mittagessen wurde es wieder ernst, denn der Besuch im Konzentrationslager stand bevor. Dort angekommen, erhielten die deutschen und polnischen Schüler getrennt voneinander eine dreieinhalbstündige Führung durch das Konzentrationslager. Es kam eine sehr seltsame Stimmung auf, denn die Sonne schien, aber man stand an einem Ort, an dem circa 1,3 Millionen Menschen ihren Tod fanden. Im Stammlager, in Auschwitz selbst, stehen noch heute viele Baracken aus Backstein, in denen früher die Häftlinge, die hauptsächlich Polen, Juden oder politische Gegner waren, schliefen und arbeiteten. Heute befindet sich dort eine Ausstellung, in der zum Beispiel 80.000 Paar Schuhe, Töpfe, Brillen, zwei Tonnen Haare und noch viele andere persönliche Dinge der Häftlinge zu sehen sind. Auch konnte dort eine Gaskammer und ein Krematorium besichtigt werden. Für viele war es sehr schwer, diesen Ort zu betreten, weil die Grausamkeit, die dort geschehen ist, allgegenwärtig zu sein schien. Nach einer kurzen Pause, die einige nutzen, um sich im anliegenden Buchladen mit Lektüre auszustatten, ging es mit dem Bus ins drei Kilometer entfernte Vernichtungslager Birkenau, in dem die Häftlinge damals in völlig überfüllten Zügen ankamen. Direkt bei Ankunft geschah die Selektion, bei der schon viele kurz danach zum Tod durch das tödliche Gas Zyklon B verurteilt wurden. Um gemeinsam diesem Völkermord zu gedenken und Anteilnahme zu zeigen, zündeten die Jugendlichen zusammen an einem Denkmal Grablichter an. So wurde die deutsch-polnische Freundschaft noch einmal verstärkt und ein Symbol geschaffen. Daraufhin sahen sich alle die von den Nazis zerstörten Krematorien an. Außerdem wurde ebenfalls eine Baracke, in der bis zu tausend Menschen auf nacktem Holz schliefen, besichtigt. Vor allem die katastrophalen hygienischen Umstände im damaligen Konzentrationslager schockierten die Schüler. Die Führung war schlussendlich sehr informativ und man lernte viele Fakten, über die ein einzelner sich vorher keine Gedanken gemacht hätte. Daraufhin traten alle den Rückweg nach Krakau an und verabschiedeten sich voneinander, um in die polnischen Familien zurückzukehren.

Am Freitag war der letzte Tag, an dem noch einmal Programmpunkte anstanden. Zunächst besuchte jeder mit seinem Austauschpartner zwei Schulstunden und wohnte auch so noch einmal zum Ende der Woche dem polnischen Schultag bei. So nahmen die Jugendlichen zum Beispiel am Deutsch-, Biologie- oder Italienischunterricht teil. Danach stand die lange Wanderung zum Feldherrenhügel „Kopiec Kosciuszki“ an. Bei unerwartet hohen Temperaturen schafften es alle, wenn auch mit ein bisschen Verzögerung, den Gipfel des Hügels zu erreichen. Von dort konnte ein schöner Ausblick über ganz Krakau genossen werden. Auf diese Weise war es zum Beispiel möglich am Horizont die Gebirge zu sehen, die für viele im Winter ein beliebtes Skigebiet bilden. Auch sahen sich alle die anliegende Ausstellung an oder aßen ein Eis. Danach ging es wieder zurück zur Schule, wo es zum Mittagessen „Piroggen“, polnische Maultaschen, gab. Danach sangen die deutschen Schüler jeweils mit ihrem Austauschpartner ein polnisches Lied, was zuvor gemeinsam eingeübt wurde, vor. So wurde die Stimmung aufgelockert und für einige Lacher gesorgt. Der Nachmittag war den Jugendlichen zur freien Gestaltung zur Verfügung gestellt worden. Einige trafen sich zum Grillen, andere entschieden sich für den großen Aquapark. So konnten alle noch einmal Zeit miteinander verbringen.

Samstags war es an soweit, die Abreise stand bevor. Durch einen großen Stau verspäteten sich einige Schüler und kamen gehetzt am Flughafen an. Nachdem die Koffer eingecheckt waren, fand die große Verabschiedung statt. Viele planten schon für die Zukunft und haben vor, sich wieder zu treffen. Nach der Sicherheitskontrolle und einer nervenaufreibenden Wartezeit, da sich der Flug um circa drei Stunden verspätete, kamen alle erschöpft, aber auch glücklich in Frankfurt an. Nachdem auch noch das Gepäckband streikte, erhielt trotzdem schließlich jeder seinen Koffer und trat den Heimweg mit dem Bus an. In Westerburg wurden die Schüler schon sehnsüchtig von ihren Eltern erwartet und fuhren schließlich nach Hause.

Der Austausch war sehr schön und hat für viele lustige Momente gesorgt. Er ist ein Erlebnis, das man sein ganzes Leben nie vergessen wird und hat eine deutsch-polnische Freundschaft zustande gebracht hat.

Wir möchten uns bei unseren Lehrerinnen für die Organisation sowie beim FFEG unserer Schule für die finanzielle Unterstützung herzlich bedanken.

Schülerbericht von Alisa Weyer und Emilie Wengenroth

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