Unterwegs im Rheinischen Braunkohlenrevier- Exkursion in den Tagebau Garzweiler

Am Montag, den 04.09.2017, hatten die Schülerinnen und Schüler der Kurse EkL1 und EkL2 der MSS 12 in Begleitung der Kursleiter Frau Wasem und Herr Baran im Rahmen einer geführten Bustour durch die RWE Power AG die Möglichkeit, einen Einblick in Struktur und Organisation des Braunkohletagebaus Garzweiler zu erhalten und somit einen der größten und bekanntesten Flächennutzungskonflikte in der Bundesrepublik Deutschland besser zu verstehen. Anschließend blieb ihnen noch Zeit zur Erkundung der Millionenstadt Köln.

Nachdem wir um 7:45 Uhr von der Busparkstraße in Westerburg gestartet waren, steuerten wir bei Ankunft gegen 10:10 Uhr zunächst das Informationszentrum Tagebau Garzweiler des Betreibers RWE Power AG, einem Tochterunternehmen des bekannten Energieversorgungskonzerns RWE, an, um dort eine kurze Einführung in die Thematik vor Ort zu erhalten. Anhand eines Modells wurde die Struktur des gesamten Betriebsgeländes deutlich: während an der Westseite, der sogenannten „Gewinnungsseite“, die Braunkohle von Schaufelradbaggern abgetragen wird und mithilfe von Förderbändern zunächst zum Bandsammelpunkt und dann weiter zur Kohlenverladung und -per Werkszug- in die jeweiligen nahegelegenen Stromkraftwerke gelangt, wird gleichzeitig das nicht benötigte Erdreich –transportiert ebenfalls über Förderbänder- auf der Ostseite des Tagebaus wieder „verkippt“, weshalb diese Seite auch als „Verkippungsseite“ bezeichnet wird. So „wandert“ der Tagebau Garzweiler stetig westwärts. Jede Seite ist dabei jeweils terrassenartig angelegt, wobei die verschiedenen Ebenen „Sohlen“ genannt werden.
Daraufhin ging es dann mit dem eigenen Bus auf das Betriebsgelände selbst, wo nach dem ersten Halt am Sozialgebäude für die Mitarbeiter ein exemplarisches Modellstück Förderband und drei ausgemusterte Schaufeln der Schaufelradbagger eingehend betrachtet wurden. Letztere wurden auch als Kulisse für ein erstes Gruppenfoto genutzt. Anschließend fuhren wir bis an den Rand des Tagebaus hinan, wo neben diesem selbst auch ein außer Betrieb befindlicher Schaufelradbagger, jedoch kleiner als die derzeit im Einsatz befindlichen Maschinen, sowie der zur betriebseigenen Stromversorgung dienende Kohlebunker und die erwähnte Kohlenverladung aus der Nähe zu sehen waren. Nächste Station der Besichtigung war der „Skywalk“, eine Aussichtsplattform über das Gelände. Ein Höhepunkt der Rundfahrt, welcher den örtlichen Konflikt plötzlich sehr viel näher an uns Schüler heranbrachte, war die Fahrt durch das Dorf Immerath, ein Ort, der in den nächsten Jahren der Braunkohlengewinnung weichen soll und deshalb derzeit umgesiedelt wird. Viele Häuser waren bereits abgerissen oder zumindest verwaist, und selbst die ehemalige Dorfkirche wurde schon für den geplanten Abriss entweiht. Immerath bot uns ein symbolisches und eindrückliches Bild der Gesamtsituation, zumal unser Besucherführer in seiner Position als Mitarbeiter der RWE Power AG die Perspektive des Konzerns vertrat und zugleich vor bzw. an den wenigen noch bewohnten Häusern teilweise Transparente mit Slogans wie „Braunkohle- nein danke!“ angebracht waren. Weitere Stationen der Busrundfahrt im Anschluss waren einige bereits umgesiedelte Orte, ein benachbarter Windpark der RWE und schon heute rekultivierte Fläche, die zuvor zur Braunkohlegewinnung genutzt worden war. Man erklärte uns, dass es neben der forstwirtschaftlichen auch die landwirtschaftliche Rekultivierung gebe, bei welcher die RWE den entsprechenden Landwirten die Fläche zunächst sieben Jahre zur Bewirtschaftung zur Verfügung stelle, bevor diese sich zum Kauf entscheiden müssten. Auf zukünftigen Brachflächen, die der Tagebau hinterlassen wird, seien laut unserem Besucherführer zudem großflächige Seen als Freizeit- und Erholungsraum geplant.
Nach der etwa zweieinhalbstündigen Besichtigung des Tagebaus ging es wieder heimwärts durch die niederrheinische Bucht, ohne jedoch einen Zwischenstopp in der Kölner Innenstadt zu versäumen. Schließlich kamen wir am späten Nachmittag wieder in Westerburg an und hatten alle persönliche Eindrücke zur Situation im Rheinischen Braunkohlenrevier gesammelt.    
Text: Pascal Jauss
Fotos: Anna-Lina Kunz