Einheitslook im Unterricht? – Neue Schulkleidung am Konrad-Adenauer-Gymnasium

Das Erörtern strittiger Fragen stellt ein zentrales Thema im Deutschunterricht aller weiterführenden Schulen dar. Eines der seit Jahren am meisten und beliebtesten diskutierten Themen ist hierbei das Für und Wider einheitlicher Schulkleidung.

Die Klasse 9e des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg hat sich unter der Leitung ihrer Deutschlehrerin Kathrin Biegel in einem Unterrichtsprojekt zum Thema „Konsum“ mit ebendieser Frage auseinandergesetzt, die durch die von der Schülervertretung zu Schuljahresbeginn initiierte Anschaffung neuer Schulkleidung auf freiwilliger Basis besondere Aktualität erhalten hatte. Das Ergebnis dieser intensiven Beschäftigung, das lediglich ein Meinungsbild der Klasse widerspiegelt, lesen Sie hier:

In Ländern wie Großbritannien, Japan oder auch in den USA ist das Tragen einer einheitlichen Schuluniform schon längst Pflicht, aber soll der Einheitslook auch nach Deutschland kommen? Einige staatliche Schulen in Deutschland haben bereits das Experiment gewagt und eine einheitliche Schulkleidung eingeführt. Im Folgenden möchten wir die Vor- und Nachteile dieses Themas mit Hinblick auf unser Gymnasium erörtern.

Gegen Schulkleidung spricht, dass sie die Individualität der Schüler einschränkt, da ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler sich durch ihre Kleidung selbst ausdrücken und zeigen möchte, wer sie sind bzw. gerne wären. Aus der Erfahrung eines Klassenkameraden, der vor einiger Zeit als Austauschschüler eine amerikanische Schule besuchte, auf der Schuluniformen verpflichtend eingeführt waren, können wir sagen, dass  sich viele Schüler nicht mit der Kleidung identifizieren konnten. Dies lag vor allem an der Tatsache, dass sie nicht dem Geschmack der Jugendlichen entsprach. Letztlich kann das zur Folge haben, dass  die Leistungen derjenigen Schüler  sinken, die sich in ihrer Schulkleidung möglicherweise unwohl fühlen.
An dieser Stelle wird gerne das Argument des Sozialneids angeführt, das für eine vereinheitlichte Kleidung spräche.

Befürworter dieser These gehen davon aus, dass eine Schuluniform insofern dem sozialen Miteinander im Klassenraum zugute käme, als dass Kinder sozial schwächer gestellter Familien, die sich Kleidung als Statussymbol nicht leisten können, nicht länger benachteiligt würden. Im Gegenzug nähme sie den finanziell besser gestellten Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Vorliebe für bestimmte Kleidermarken in der Schule auszuleben. Außerdem würden alle Schüler mehr über die Charaktereigenschaften ihrer Mitschüler lernen und so wichtige Erfahrungen für das Leben machen. Auch Studien belegen die genannten positiven Effekte einheitlicher Kleidung auf das Klassenklima. Diese Aspekte sind zwar nachvollziehbar, können aber auch entkräftet werden: Zum einen muss man damit rechnen, dass Sozialneid ebenso in der Freizeit oder aufgrund anderer Statussymbole wie Smartphones oder Schmuckstücke entstehen kann und das Problem des Markenwahns somit nur verlagert würde. Zum anderen ist die Finanzierung von Schuluniformen nicht zwingend ohne Beteiligung der Eltern zu gewährleisten, sodass diese sowohl Kosten für die Schul- als auch für die Freizeitkleidung ihrer Kinder tragen müssten.

Ein weiterer kontroverser Gesichtspunkt ist der des Schulklimas in Verbindung mit der Außenwirkung der Schule. Was aus Sportarten wie Fußball bekannt ist, lässt sich auch auf den Alltag der Jugendlichen übertragen: Aufgrund einer einheitlichen Schulkleidung kann es zur Abgrenzung von bzw. zu einem negativen Konkurrenzdenken anderen Schulen gegenüber kommen. Gleichzeitig verbirgt sich darin aber auch ein nicht zu verachtender Vorteil: Die Kleidung trägt (wenn man sich mit ihr vielleicht auch nicht individuell ausdrücken kann) zu einem besseren Wir-Gefühl aller Schüler bei. Die Schulgemeinschaft signalisiert damit selbstbewusst nach außen: Wir sind ein Team, wir gehören zusammen. Dies kann nur gut für das soziale Miteinander einer Schule sein. Führt man sich all die genannten Vor- und Nachteile vor Augen, wird schnell klar, dass sich problemlos weitere Argumente finden ließen und wir kamen schließlich zu dem Schluss, dass es mehr geben muss als nur Schwarzweiß, mehr als ein Ja zum Einheitslook oder ein Nein.

Den „goldenen Mittelweg“ hat unsere Schülervertretung eingeschlagen: Bereits zum wiederholten Mal konnte in diesem Schuljahr Schulkleidung auf freiwilliger Basis und zu erschwinglichen Preisen bestellt werden. Das neue Design, das vor wenigen Wochen in verschiedenen Ausführungen zur Wahl gestellt wurde, fand spontan großen Anklang in der Schüler- und Lehrerschaft. Die entscheidenden Punkte, die für dieses Konzept sprechen, sind: Niemand muss die Kleidung bestellen und sie kann zu beliebigen Anlässen innerhalb und außerhalb der Schule getragen werden. Wir sind daher der Meinung, dass dadurch alle oben genannten Vorteile von Schulkleidung positiv hervorgehoben werden und freuen uns auf den ersten offiziellen Anlass, an dem alle, die es möchten, ihre neuen Schulpullover oder Polo-Shirts präsentieren können.