Kind des Holocausts: „Mein Herz ist voller Frieden.“

Polnische Zeitzeugin spricht mit Geschichte-Leistungskurs des Konrad-Adenauer-Gymnasiums

Am Dienstag, den 21.08.2018, trafen die Schülerinnen und Schüler des Geschichte-Leistungskurses der 13. Jahrgangsstufe des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Westerburg mit ihrem Lehrer Reinhard Bontjer im Priesterseminar Limburg auf eine beeindruckende Frau mit einer emotionalen und wichtigen Geschichte.

Irena Szczurek sprach als Zeitzeugin über ihr Leben als Kind des Holocausts, wie sie sich selbst bezeichnet. 1938 in Polen geboren, wurde ihre jüdische Familie bald nach Kriegsbeginn nach Brody ins Ghetto zwangsumgesiedelt. „Das Familienglück endete mit Beginn des Zweiten Weltkriegs.“ sagt Irena. 

Ihr Leben hat sie einer Frau namens Maria Hromiak zu verdanken, dem Kindermädchen der Familie. Mit Beginn der Deportierungen gab man ihr das jüdische Kleinkind mit. Christlich getauft konnte Irena Szczurek in ihrer neuen Familie, die sie für die eigene hielt, eine verhältnismäßig normale Kindheit erleben – außerhalb des Einflussbereichs der Nazis. Dieses Glück hatten ihre Eltern nicht, sie starben während des Holocausts. Das alles erfuhr sie jedoch erst, als sie erwachsen war.

Tief beeindruckt hat die Jugendlichen wie Irena Szczurek mit ihrem Schicksal umgeht: Ihr ganzes Leben, das vermeintliche Elternhaus, der christliche Glaube – ihr Selbstbild und ihr Weltbild wurden in den Grundfesten erschüttert. Doch als sie den Schülerinnen und Schülern entgegentritt, ist ihre Botschaft klar: „Mein Herz ist voller Frieden. Dort ist kein Platz mehr für Hass oder Verbitterung.“ Nur eine überaus starke Persönlichkeit kann mit einer solchen Vergangenheit vor Fremde treten und mit diesem Fazit abschließen.

Auch wenn im Geschichtsunterricht das Thema Zweiter Weltkrieg thematisiert wird, sind es Menschen wie Irena Szczurek, die über die Gräuel des Holocausts aus persönlicher Sicht berichten können. Die geschichtsinteressierten Jugendlichen sind froh und dankbar, dass sie die Chance geboten bekommen haben, mit einer der letzten Zeitzeuginnen in den Dialog zu treten, um so viel wie möglich von ihr zu lernen und weiterzugeben.

Text: Maurice Schäfer