Bonjour à tous!

Anna Weisse (10b) berichtet von ihrem individuellen Frankreichaustausch im November vergangenen Jahres:

Nach einem Monat Frankreichaustausch bin ich wieder zurück in Deutschland. Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel verändert zu haben, aber nach einiger Zeit merke ich jetzt, dass ich reicher an Erinnerungen und Erfahrungen geworden, mein Horizont sich um einiges erweitert hat und auch meine Sprachkenntnisse sich natürlich verbessert haben.
Anfang November wurde ich von meiner Gastfamilie herzlich empfangen. Mit Pauline Marceau hatte ich nicht nur eine offene Austauschpartnerin, sondern auch ihre Eltern, ihre beiden Schwestern und der Haushund Oli sind mir sehr ans Herz gewachsen. Sich hier wie zu Hause zu fühlen war eine Selbstverständlichkeit, die besonders meine Gastmutter zu einer Solchen gemacht hat. Gemeinsam haben wir viel gelacht und gelernt. Auch wenn man es nicht glaubt, aber zwischen Deutschland und Frankreich gibt es gerade was die Küche angeht, viele Unterschiede, die wir gemeinsam entdeckt haben. Dabei haben sich teilweise urkomische Situationen ergeben, denn die Deutschen haben auch Wassergläser und man kennt Camembert nicht nur in Frankreich, nur um zwei der lustigsten Fragestellungen zu nennen. Das Lachen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten hat aber nur zur Sympathie beigetragen, aus der sich Freundschaft entwickeln konnte.
Die französische Schule hingegen war tatsächlich Tag für Tag ein Abenteuer für mich. Es wird zum Beispiel deutlich mehr auf Sicherheit geachtet, bei uns kommt man nicht nur mit einer Art Ausweis in die Schule hinein und auch wieder heraus, es gibt keine Überwachungskameras auf dem Schulgelände und auch keine Zahlencodes mit Handerkennungssystem, um in die Mensa zu gehen. Es gibt keine Aufseher und erst recht keine Übungen für einen Terroralarm, die realistisch mit Terroristen, bewaffneten Polizisten, Toten und Geiselnahmen von Schülern inszeniert werden. Aber auch das grundlegende System ist in Frankreich anders. Statt Noten gibt es Farben und die Klassenstufen werden rückwärts gezählt. Der Unterricht beginnt um 8:00 und jede Unterrichtstunde dauert 60 Minuten. Dadurch hört der Unterricht entweder um 17:00 oder um 19:00 auf. Nur mittwochs konnten wir schon um 11:30 nach Hause gehen. Das Einzige, was wirklich gleich war: viele Schüler, die gemeinsam lernen und Tests schreiben, lachen und fröhlich sind oder Streit haben. Egal, welche Sprache sie sprechen und aus welchem Land sie kommen.
Im Unterricht konnte ich mich aktiv beteiligen, vielen Schülern helfen und Neues ausprobieren, zum Beispiel Griechisch oder Latein und Rugby. Ich hatte die Möglichkeit, an vielen Projekten teilzunehmen. Am spannendsten war das professionelle Drehen eines Schulfilms, in dem wir gemeinsam ein Interview mit einem jüdischen Ehepaar über ihre Erfahrungen im Nationalsozialismus und die heutige Situation geführt haben.
Am Ende meines Aufenthaltes wurde ich von meinen Klassenkameraden, meinen Lehrern und der Schulleitung mit Fotos und Karten zur Erinnerung verabschiedet. Leicht ist es mir auf jeden Fall nicht gefallen, nach so viel Spaß, Herzlichkeit und Offenheit, die mir gezeigt wurden, wieder nach Hause zu gehen.
Abschließend ist zu sagen, dass ich mich unglaublich schnell zugehörig gefühlt habe und die Zeit leider viel zu schnell vergangen ist. Ich habe wirklich viel gelernt, besonders aber über Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Nationen, mit unterschiedlicher Sprache und Vergangenheit.
Ich bedanke mich herzlich bei meiner Gastfamilie, meinen französischen und deutschen Lehrern und bei all den Schülern, die mich in Frankreich schnell zu einem Freund gemacht haben.  
Anna Weisse, 10b