Der Tag begann in der Aula – und zunächst ganz anders, als man es vielleicht erwartet hätte. Unser Lehrer Axel Spiekermann, der den Verkehrssicherheitstag organisiert hatte, begrüßte die Schülerinnen und Schüler und berichtete von einem Jugendlichen aus seinem Nachbarort, der erst vor wenigen Wochen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Es war ein Moment, der spürbar etwas mit den Jugendlichen machte. Selten hat man unsere Aula so still erlebt. Während Herr Spiekermann von dem tragischen Ereignis erzählte, war es mucksmäuschenstill. Aus einer Veranstaltung über Verkehrsregeln wurde plötzlich ein Thema, das sehr nah war. Sein anschließender Appell war entsprechend eindringlich: Wer sich ins Auto setzt, übernimmt Verantwortung – für das eigene Leben und für das anderer. Dazu gehört, keinen Alkohol zu trinken, wenn man noch fahren möchte. Es bedeutet aber ebenso, Verantwortung für Freunde zu übernehmen, ihnen im Zweifelsfall den Autoschlüssel abzunehmen oder selbst nicht zu jemandem ins Auto zu steigen, der nicht mehr fahrtüchtig ist. Manchmal kann eine vermeintlich kleine Entscheidung große Folgen haben.
Im Anschluss übernahmen die Experten der Verkehrswacht Rheinland-Pfalz und rückten zunächst gemeinsam mit dem gesamten Jahrgang verschiedene Gefahren des Straßenverkehrs in den Mittelpunkt. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Ablenkung während der Fahrt. Gemeinsam wurde gesammelt, welche Situationen dazu führen können, dass die Aufmerksamkeit nicht mehr vollständig auf der Straße liegt. Dabei zeigte sich: Es ist längst nicht nur das Smartphone. Auch Gespräche mit Mitfahrenden, Essen und Trinken oder äußere Reize können für entscheidende Sekunden ablenken. Besonders einprägsam brachte die Verkehrswacht die Gefahr auf den Punkt: „Abgelenkt fahren bedeutet blind fahren.“ Auch Geschwindigkeit, Reaktions- und Anhaltewege wurden anschaulich thematisiert.
Darüber hinaus ging es um Alkohol im Straßenverkehr, Promillegrenzen und die möglichen Konsequenzen von Verstößen – ein Thema, das gerade für junge Menschen, die bereits einen Führerschein besitzen oder kurz davorstehen, eine besondere Bedeutung hat. Ebenso wurden die rechtlichen Folgen der Nutzung von Smartphones und anderen elektronischen Geräten während der Fahrt aufgegriffen.
Nach diesem gemeinsamen Auftakt wurde der Jahrgang in vier Gruppen aufgeteilt. An verschiedenen Stationen der Verkehrswacht konnten sie sich mit zentralen Gefahren des Straßenverkehrs auseinandersetzen – und vor allem selbst aktiv werden.
An einer Station beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Dabei konnten sie ihre eigene Reaktionsfähigkeit testen und mithilfe einer Rauschbrille erleben, wie stark Alkohol Wahrnehmung, Koordination und Reaktionsvermögen beeinträchtigen kann. So wurde schnell deutlich, wie gefährlich Alkohol und Drogen im Straßenverkehr sein können.
Eine weitere Station widmete sich einem Gegenstand, der beim Einsteigen ganz selbstverständlich erscheinen sollte und dennoch Leben retten kann: dem Sicherheitsgurt. Anschaulich wurde vermittelt, warum der Gurt als „Lebensretter Nr. 1“ gilt. An einem Gurtschlitten konnten die Jugendlichen darüber hinaus unmittelbar erfahren, welche Kräfte bereits bei vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeiten auf den Körper wirken können.
Besonders praktisch wurde es beim Fahrsicherheitstraining mit E-Rollern. Mit Helm ging es durch einen eigens aufgebauten Parcours. Hier waren Konzentration, Balance und vorausschauendes Fahren gefragt – und die Schülerinnen und Schüler konnten unmittelbar erleben, wie wichtig eine sichere Beherrschung des Fahrzeugs ist.
Eine weitere Station konfrontierte die Jugendlichen mit der Realität schwerer Verkehrsunfälle. Anhand konkreter Unfallbeispiele wurde deutlich, welche Folgen Fehlentscheidungen, Unachtsamkeit oder überhöhte Geschwindigkeit haben können. Gerade diese Verbindung von theoretischem Wissen, praktischen Erfahrungen und realen Beispielen machte den Tag besonders eindrücklich.
Am Ende stand weit mehr als das Wissen um Promillegrenzen, Anhaltewege oder Bußgelder. Der Verkehrssicherheitstag machte deutlich, dass Sicherheit im Straßenverkehr vor allem etwas mit Verantwortung zu tun hat. Viele Schülerinnen und Schüler unseres 11. Jahrgangs haben bereits einen Führerschein oder werden ihn in absehbarer Zeit erwerben. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig bewusst zu machen, dass man mit dem Platz hinter dem Steuer auch Verantwortung übernimmt. Gleichzeitig endet diese Verantwortung nicht beim Fahrer oder bei der Fahrerin. Auch als Beifahrer kann man aufmerksam sein, Grenzen setzen und im richtigen Moment eingreifen.
Für unseren 11. Jahrgang war es ein abwechslungsreicher, informativer und zugleich nachdenklich stimmender Tag, an dem Verkehrssicherheit nicht nur besprochen, sondern an vielen Stellen erlebt werden konnte. Unser herzlicher Dank gilt der Verkehrswacht Rheinland-Pfalz und Axel Spiekermann für die Organisation und Durchführung des Tages. Und wenn am Ende eine Botschaft bei allen hängen bleibt, dann hoffentlich diese: Passt auf euch auf – und passt aufeinander auf. Denn im Straßenverkehr kann eine einzige verantwortungsvolle Entscheidung den entscheidenden Unterschied machen.
Text und Bilder: Simone Reif
