Von Beginn an war spürbar, dass diese Tage mehr werden würden als ein klassischer Schüleraustausch, denn die Unterbringung in ungarischen Partnerfamilien ließ schnell Nähe entstehen und machte den Alltag im Gastland unmittelbar erfahrbar.
Im Zentrum der Woche stand das gemeinsame Projekt „Demokratie in Zeiten von Social Media“. Es ging um Meinungsbildung, Einflussnahme, Verantwortung für die eigene Meinungsbildung und um die Frage, wie junge Menschen Demokratie heute erleben. Aus diesen Gesprächen entstanden Podcasts, die Gedanken, Zweifel und Überzeugungen hörbar machen. Sie werden beim Gegenbesuch in Westerburg im Mai vorgestellt.
Zwischen den Arbeitsphasen öffnete sich die Stadt. Der Besuch des beeindruckenden ungarischen Parlamentsgebäudes hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Ähnlich wirkte der Gang durch das jüdische Viertel und der Besuch der Großen Synagoge in der Dohány-Straße. Geschichte und auch Religion wurden hier nicht nur durch den ungarischen Kollegen erklärt, sondern unmittelbar spürbar.
Ein besonderer Moment der Woche war die Geburtstagsfeier unserer Partnerschule. Sie fand auf einer großen Outdoor-Schlittschuhanlage statt und entwickelte schnell eine eigene Dynamik, da der heftige Schneefall an diesem Tag nicht nur zum gemeinsamen Eislaufen anregte, sondern auch zu Schneeballschlachten. In diese wurden auch die Lehrkräfte unfreiwillig miteinbezogen. Als die einzelnen Jahrgangsstufen sich auf dem Eis präsentierten, entstand ein starkes Gefühl von Zusammengehörigkeit, als jede Gruppe mit Beifall und Schneebällen empfangen wurde. Auch unsere Schule war Teil dieses Moments. Beim anschließenden Kuchenessen mit über 1.200 Schülerinnen und Schülern fand die offene und fröhliche Stimmung trotz Kälte ihren Höhepunkt.
Nachdenklicher wurde es beim Besuch des Hauses des Terrors. Die Ausstellung konfrontierte die Schülerinnen und Schüler mit Diktatur, Gewalt und Unterdrückung. Die Eindrücke wirkten nach und gaben der Projektarbeit über Demokratie eine besondere Tiefe.
Auch die gemeinsamen Wege durch die Stadt stärkten das Miteinander. Ob an der Matthiaskirche, auf der Fischerbastei oder in der Budaer Burg, überall entstanden Gespräche, die sonst vielleicht nie geführt worden wären. Den Abschluss der Woche bildete ein Abendessen in einem traditionell ungarischen Restaurant. Die riesigen Schnitzel, die reichhaltigen Desserts und das Ständchen für ein Westerburger Geburtstagskind ließen den Austausch lebhaft und fröhlich ausklingen.
Diese Erasmus+-Woche war für uns mehr als ein schulisches Projekt. Sie war geprägt von Begegnungen, von Vertrauen und von Momenten, die bleiben. Freundschaften sind entstanden. Europa wurde konkret. Die Vorfreude auf den Gegenbesuch unserer Budapester Partner im Mai in Westerburg ist groß.
Text und Bilder: Thomas Wittfeld
