Der Weg zur „Endstation“ – Aufführung der Theater-Ag des KAG zum Schuljahresende

Schüsse hallen durch die Schulflure, Angstschreie und Gewimmer erfüllen die Aula und über allem liegt der Rauch einer Detonation. Dies sind keine Beschreibungen der Amokläufe in Parkland oder San Diego in den USA. Diese Bilder zeigten sich den Besuchern des diesjährigen Theaterstücks der Theater-AG des Konrad-Adenauer-Gymnasiums. Doch der Vergleich mit Parkland und San Diego liegt nahe, denn wenn diese Bilder auch nur gestellt waren, so haben sie doch das gleiche Thema: Amoklauf an einer Schule.

Viele mögen sich fragen, warum ein solches Thema in einem Schultheaterstück aufgegriffen werden muss. Ist die an anderen Orten stattfindende Realität nicht schlimm genug? Müssen wir nicht froh sein, davon nur aus den Nachrichten zu hören?

Doch die Amokläufe in Erfurt und Winnenden haben gezeigt, dass Amok nicht nur in amerikanischen Schulen stattfindet. Es ist eine Bedrohung, die existiert und die nicht aus dem Nichts entsteht.

Jeder Amoklauf hat eine Vorgeschichte und diese wird im Theaterstück „Endstation“ von Sabrina Gabler exemplarisch dargestellt. Aus diesem Grund wählte die Theater-AG des KAG-Westerburg in diesem Schuljahr dieses ernste und betroffen machende Theaterstück aus, denn es zeigt, dass nicht nur die Amokläufer schuldig sind. Im Vorfeld machen sich hier viele Schüler, Eltern und Lehrer schuldig, indem sie ausgrenzen, wegschauen, nicht zuhören, Situationen allzu schnell falsch verstehen und Personen in eine Schublade stecken.

In diesem Fall folgte das Publikum der Geschichte von Kai (Simon Seifert) und Stefan (Tobias Hastrich), die gemeinsam mit Stefans Freundin Evi (Helena Groth) die Außenseiter an ihrer Schule sind. Sie werden besonders von der Gruppe der Handballstars um Alex (Christopher Guy), Mark (Philipp Hamm) und Dennis (Elias Weiße) gemobbt und schikaniert. Unterstützt und angefeuert werden die Jungs dabei von der Mädchenclique um Alex’ Freundin Karin (Linda Nieland mit Mackenzie Kröll und Uta Menningen). Dabei gelingt es ihnen immer wieder geschickt, Stefan, Kai und Evi auch vor ihrer Lehrerin Frau Becker (Hannah Kessler) sowie der Schulpsychologin Frau Dr. Stubbe (Jessica Reddig) schlecht dastehen zu lassen und ihnen für Auseinandersetzungen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Einzig die beiden Ökos Melanie und Jessica (Floriane Menges und Lidia Rommel) zeigen sich freundlich gegenüber Evi, raten ihr aber dennoch davon ab, sich weiter mit Stefan und Kai abzugeben. 

Aus den verbalen Attacken ihrer Klassenkameraden werden zunehmend körperliche Angriffe, bei denen die drei weder durch Lehrer, Schulpsychologin oder Eltern (Lara Burandt, Marie Sökefeld, Vivien Straub) Unterstützung erfahren. Die Erwachsenen zeigen sich hier als überfordert und desillusioniert. Die drei Freunde werden dadurch immer enger zusammengeschweißt. Unterstützt durch die schwierige häusliche Situation wächst so in Stefan die Verzweiflung, während sich in Kai eine unbändige Wut aufbaut. Beide sehen sich in einer ausweglosen Situation, die nur der Tod beenden kann – doch Kai will alle, die ihnen übel mitgespielt haben, mitnehmen und kann Stefan davon überzeugen.

Auf beeindruckende Weise gelang es den Mitgliedern der Theater-AG die Zuspitzung der Situation für Kai und Stefan darzustellen. Die Freude an verbaler und körperlicher Gewalt als Zeichen der Überlegenheit gegenüber Außenseitern wurde schockierend deutlich gemacht durch die Beleidigungen, Schläge, Tritte und sexuellen Aufdringlichkeiten der Handballer. Bestätigt wurden diese in ihrem Tun durch die anfeuernde Mädchenclique, die die schlimmsten Vorfälle, ganz dem Zeitgeist entsprechend, mit dem Handy filmt und dabei lacht. Gegen die Mauer falscher Aussagen haben Stefan, Kai und Evi keine Chance.

Gut gemacht war die Gegenüberstellung privater Szenen, in denen die Zuschauer in Kai, Stefan und Evis Gedanken und Probleme eintauchen, mit öffentlichen Szenen, die einerseits ihre Ausgrenzung in der Schule, andererseits auch einfach normalen Schulalltag zeigen. Die Entfremdung, die zwischen Stefan und Evi stattfindet, nachdem dieser sich heimlich mit Kai zum Amoklauf entschlossen hat, wurde ebenfalls nachvollziehbar und bewegend dargestellt.

Den Darstellern gelang es zu jedem Moment die Situation und Gefühle ihrer Figuren glaubhaft darzustellen. Und so blieb am Schluss ein betroffenes und schockiertes Publikum zurück, das die Schreckensschreie und das Gewimmer der ängstlichen Schüler noch in den Ohren hatte.

Entlassen wurde das Publikum mit den ruhigen Worten Evis, die allen klar machte, wo die Fehler lagen. „Jeder einzelne hätte helfen können, all das zu verhindern, aber keiner fühlte sich zuständig.“

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